Hummelchen

Liebes Tierheim-Team,

leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die wunderbare bunte Katze Hummelchen (bei Ihnen Patrizia) heute in das andere Land gegangen ist. Ihre Nieren haben versagt, unser Tierarzt hat uns wenig Hoffnung gemacht. Übers Wochenende haben wir ihr noch selbst Infusionen gegeben, aber sie hatte keine Chance mehr.

Auch durch Hummelchen, die ja ca. 20 J. alt werden durfte, sind uns die "Alten" ganz besonders an Herz gewachsen. Und die "Alten" haben mich dazu gebracht einen Erfahrungsbericht zu verfassen. Wir möchten damit erreichen, dass die alten und kranken Tiere nicht so oft übersehen werden.

Aufnahme alter KAtzen - Ein Erfahrungsbericht

Um direkt eine Antwort auf die oben gestellte Frage zu geben: JA, auf jeden Fall. Wie fing alles an? Ich versuche mich kurz zu fassen, könnte aber wirklich Romane mit meinen sehr guten Erfahrungen schreiben.
Vor vielen, vielen Jahren wurde eine sehr kleine, aber ausgewachsene Katze gefunden, die niemand vermisst hat und niemand haben wollte. Sie war verfloht, sehr mager und ist auch misshandelt worden. Bei mir wurde sie „zwischen-geparkt“, bis man eine Lösung finden würde. Diese kleine Katze hat nach einer halben Stunde entschieden, bei mir zu bleiben. Aber sie war viel zu lange den ganzen Tag allein und so kam Kater Arnold, genannt KING Arnie zu uns. Den wollte auch keiner, ein unerwünschter Bauernhofkater, der so klein war, dass er mit der Aufzuchtspritze gefüttert werden musste.

Nach ca. 14 Jahren ist die kleine Katzenmaus in das andere Land gegangen und der Kater war alleine und trauerte extrem. Was tun? Arnie war nun auch schon 13 Jahre alt, tagsüber einsam und traurig. Für mich kam es nie in Frage, dem gestandenen Katzenmann eine Babykatze „anzutun“, die „Neue“ sollte schon ungefähr in seinem Alter sein. Mit einer sehr viel jüngeren Gefährtin wäre er überfordert und die junge Mietze unterfordert und das wollten wir definitiv nicht. Es mag in einigen Fällen geklappt haben, aber meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass die Chefkatzen eher überfordert und not amused sind. Und so kam Frau Trixi zu uns, ca. 10 – 12 Jahre alt (aus meiner heutigen Sicht ein Jungspund), ebenfalls misshandelt und sehr misstrauisch. Mit viel Geduld taute sie nach und nach auf und wurde später „die lachende Katze“ genannt. Wir haben 4 glückliche und lustige Jahre miteinander verbracht.
Arnie war nun wieder alleine und hat uns einen Auftrag erteilt: wir müssen die Katzen aufnehmen, die es schwer haben und die keiner haben will. Ein Platz ist frei und der will gefüllt werden. Und so kam Hummelchen zu uns, aus dem TH Münster-Hessen 15.07.2006, heute ca. 18 – 19 Jahre alt, bunt und rund. Sie kam aus einer Hausräumung und hatte 44 Katzenkumpel, war ein einziges Angstbündel und ist heute die größte Schmusebacke aller Zeiten. Alles was auf dem Boden liegt gehört ihr, einschließlich der 2-Beiner. Sie weiß nichts mehr von ihrem Vorleben, war schon immer hier und meint, sie wäre ½ Katze und ½ Mensch.

2 Monate, nachdem wir Arnie’s 20. Geburtstag gefeiert haben, konnte der stolze King nicht mehr und ist voller Respekt, Licht und Liebe in das andere Land gezogen.
Am 09.08.2008 kam Turbo-Tessa zu uns, heute 14 Jahre alt. Sie musste einfach zu uns, denn sie sollte mir Geduld beibringen. Und das hat sie auch geschafft. Sie wollte keiner, weil sie sich nicht anfassen lässt, keine Schmusekatze ist und lieber ihre eigenen Wege geht. Nachdem sie erkannt hat, dass sie hier sein und bleiben darf wie sie ist, fingen auch ihre Augen an zu strahlen. Als sie das erste Mal oben im Arbeitszimmer rumgetobt hat und rumgesprungen ist, konnte ich sie regelrecht lachen und kichern hören: hier ist schön, hier bleibe ich. Heute darf ich sie anfassen, aber nur wenn sie es will und sie macht noch immer Fortschritte, es ist einfach schön, das zu erleben.

Tja, damit waren wir wieder „vier“. Aber ich habe immer gewusst, dass ich eines Tages wieder einen Seniorkater aufnehmen werde und so ist es auch gekommen: Mr Moritz kam letzten August zu uns, bereits stolze 22 Jahre alt. Er wurde ins Tierheim abgeschoben, weil seine Halterin wohl einen Mann kennen- und liebengelernt hat, der der Meinung ist, dass alle Tiere stinken. Zuerst war ich wütend: wie kann man nur? Heute tut sie mir leid, mit so einem Mann kann man nicht glücklich werden und für diesen hat sie den wunderbaren Moritz aufgegeben.

Im August werden wir Moritz 1. Geburtstag bzw. seinen 23. feiern. Er versteht sich prächtig mit den Mietzen, akzeptiert Hummelchen als Chefin (der eine oder andere Versuch, selbst Chef zu werden ist ja nicht strafbar ;-)) und tobt mit Turbo-Tessa durch die Wohnung!!!!! Seitdem er zu uns gehört, ist Tessa viel präsenter, sie liebt ihn einfach.

Natürlich wird er eine oder andere jetzt sagen: ist der Abschied hier nicht vorprogrammiert? Natürlich ist er das, wie mit jedem anderen Lebewesen, egal in welchem Alter auch. Natürlich bricht es uns das Herz, wenn wir Abschied nehmen müssen. Aber ist das eine Frage des Alters? Auch für Babys, junge Katzen etc. gibt es keine Garantie. Und GsD können wir alle nicht in die Zukunft blicken und wir leben im jetzt. Das heißt: heute! Nicht gestern und nicht morgen, vielleicht haben uns das unsere Senioren beigebracht? Alleine das Erleben, dass traurige, sich selbst fast aufgegebene Augen wieder strahlen und lachen, jede Sekunde ist es das wert. Diese unbändige Lebensfreude die sie uns zeigen, das bereichert unser Leben ungemein.

Ich bin stolz und dankbar, dass wir mit diesen „alten“ Katzen zusammenleben dürfen und ich würde es immer und immer wieder so machen.

Danke, Arnie!
Juni 2011
Tina Simon